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Zeitungartikel vom 1. September 2007

MAULBURG. Die Textildesignerin und Künstlerin Carmen A. Obermeier aus Höllstein schreibt eine neue Geschichte der Textilindustrie im Wiesental. Sie entwirft exklusive Stoffe und lässt sie in Eigenregie produzieren. Jedes Dessin basiert auf einem Gemälde der Künstlerin und ist dadurch urheberrechtlich geschützt. Die Herstellung ihrer Cloqué -Stoffe erfordert außergewöhnliches Können und benötigt komplizierte Spezialmaschinen. Konkurrenz aus Niedriglohnländern muss sie nicht fürchten. Sogar im Inland sind die Lieferanten dafür rar.

 

 

Die Fünfzigjährige hat nach eigenen Worten eine „ einmalige Chance“ ergriffen, als sie sich 2004 zur Selbstständigkeit entschloss, um die bisher von der Firma Seibanit betriebene Cloqué-Stoffproduktion weiterzuführen. Dabei sei ihr ihre solide Ausbildung bei der Firma KBC zur Musterzeichnerin zu Gute gekommen, sagt sie, zu der auch der Besuch einer Webschule in Sindelfingen gehörte. Seit 2002 hatte Carmen Obermeier bei Berger Seibanit den Werksverkauf geleitet und als Textildesignerin gearbeitet.

Jede Frau muss ins Schwärmen geraten angesichts der traumhaft schönen CAO (Carmen A. Obermeier)-Stoffkollektion, die auf großen Rollen im alten Werksverkaufsgebäude ausliegt. Zeitlose Farbstellungen, reliefartige Oberflächen und eine ,,Superqualität" zeichnen die Produkte aus. Die Stoffe seien maschinenwaschbar und bügelfrei, sowie absolut hautvertraglich, weil nur schadstoffgeprüftes Material nach Ökotex 100 verarbeitet werde. „Wir haben eine Boutiquelinie im Programm, mit gedeckten Farben" erläutert die Designerin, ,,und eine Kollektion mit eher hellen, leuchtenden Farben“. Zur Demonstration rollt sie einen tiefroten Stoffballen auf, und die Maschenware legt sich weich und fließend über den Verkaufstisch.

Cloqué-Stoffe werden gestrickt. Die Künstlerin erzählt begeistert von ihrem ,,fantastischen" Strickmeister, der ihre Entwürfe an Spezialmaschinen verwirklicht. Er ist Herr über 1680 Nadeln und sei ,,ein Genie". Zunächst ist freilich Frau Obermeier bei der Entstehung eines neuen Dessins kreativ.

Neuerdings hat sie Ethno-Muster für sich entdeckt. Leichtfüßig springen da Gazellen im Raum, oder sie kombiniert Symbole der verschiedenen Religionen und Kulturen zu einem ausdrucksvollen Burdürenmuster. ,,Die Muster müssen Energie haben", sagt sie. Frappierend kommt das beim vornehmen schwarzgrauen Dessin zum Ausdruck, bei dem ,,die Pfötle" von Obermeiers Angorakatze die Vorlage lieferten. Nach den schöpferischen Einfällen folgt harte Geduldsarbeit am Computer. Der Entwurf muss in die PC-Sprache übersetzt, also digitalisiert  werden. Carmen Obermeier findet diese Arbeit am Bildschirm sogar erholsam.

Nach dem Scannen der Vorlage klickt sie Kästchen auf dem Bildschirm an oder aus. Jedes Kästchen ist eine Masche, die in einer von zwei vorgesehenen Farben oder Garnen gestrickt wird.

Zuletzt muss der digitalisierte Entwurf noch auf Rapportgröße gebracht werden, damit das Muster sich in der Breite und in Längsrichtung wiederholen kann, ohne dass Übergänge sichtbar werden. Ein Rechenexempel in Maschen und Reihen. Mit dem Speichern der Paintbrush-Datei auf einer Diskette ist ,,die Patrone" fertig,  mit der dann die Strickmaschine bestückt wird.

Garnauswahl und Bestimmung der Farben gehören ebenfalls zum Handwerk der Textilkünstlerin. Sie arbeite hier auch gerne mit Modedesignern zusammen, sagt Obermeier. Im Team kämen da oft noch tolle Einfälle. Sie sei ohnehin ständig dabei, neue Qualitäten zu entwickeln und erprobe immer wieder neue Garne.

Die Hauptabnehmer von Obermeiers Kollektionen sitzen in der Schweiz, aber auch aus Deutschland kommen Aufträge  von exklusiven Geschäften. Da sie keine Massenware produziert, kann sie flexibel auf Kundenwünsche eingehen. Cloqué ist eine Rarität auf dem Markt. Im Wiesental wird sie hergestellt.